Der Name und das Angesicht Gottes                                                       DOWNLOAD


Mose hatte die Schafe seines Schwiegervaters Jethros gehütet, als er einen Dornbusch sah, der brannte, jedoch nicht vom Feuer verzehrt wurde. Um zu erforschen,was da passierte, ging Mose auf diese Erscheinung zu. Und in dieser Situation rief Gott ihm mitten aus dem brennenden Dornbusch zu: Mose, Mose. Vollkommen überrascht, eine Stimme zu hören, antwortete Mose: Hier bin ich. Er stellte an die Stimme nicht die Frage: Wer bist du. Des Weiteren wusste Mose zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass Gott mit seinem Ruf ihn auserwählte, eine Mittlerfunktion einzunehmen. Er sollte Mittler sein zwischen dem israelitischen Volk und dem lebendigen Gott. Mose wird nun von der Stimme aufgefordert, nicht näher heranzutreten und die Schuhe von den Füßen auszuziehen, denn er steht auf heiligem Land. Und nach dieser Aufforderung stellt sich die Stimme nun vor: 

Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. 

Aufgrund dieses Hinweises kommt es bei Mose zu einer Veränderung in seinem Verhalten. Mose verbarg sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen, 2.Mo 3:3-6. 
Im weiteren Gespräch zwischen Mose und Gott  möchte Mose von Gott dessen  Namen wissen. Wörtlich: 

Siehe, wenn ich zu den Kindern Israels komme und zu ihnen sage: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt!, und sie mich fragen werden: was ist sein Name? - was soll ich ihnen sagen? 2.Mo 3:13. 

Und diese Frage wird von Gott beantwortet. Gott verschweigt nun seinen Namen nicht, sondern offenbart sich mit seinem Namen.

 Gott sprach zu Mose: Ich bin, der ich bin! und er sprach: So sollst du zu den Kindern Israels sagen: Ich bin, der hat mich  zu euch gesandt. Und weiter sprach Gott zu Mose: So sollst du zu den Kindern Israels sagen: Der HERR, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, ist mir erschienen und hat gesagt: Ich habe genau achtgegeben auf euch und auf das, was euch in Ägypten geschehen ist, 2.Mo 3: 14,15. 

 

Mose ist der erste Mensch, dem Gott seinen Namen mitteilte: Ich bin, der ich bin. Hierbei geht es um den einen lebendigen Schöpfergott, der in sich mehrzählig ist. Diese Mehrzähligkeit ist drei. Und nach und nach offenbart sich der Gott mit dem Namen "Ich bin, der ich bin" den Menschen als Vater, Sohn und Heiliger Geist. 

Mose ist auf dem Berg Sinai und spricht mit Gott. Und als er zu Ende geredet hatte, gab ihm Gott die beiden Tafeln des Zeugnisses, Tafeln aus Stein, beschrieben mit dem Finger Gottes. 
Der Schöpfergott hatte mit dem Finger die zwei Tafeln des Zeugnisses beschrieben und sie dem Mose gegeben. Als Mose sich nun dem Lager der Israeliten näherte, hörte er einen Wechselgesang. Dann sah er, wie das israelitische Volk einen Götzen, ein goldenes Kalb, verehrte. In Mose entbrannte ein Zorn, so dass er die beiden Tafeln wegwarf und diese unten am Berg zerschmetterten. Danach kam es mehrmals zu einem Gespräch zwischen dem HERRN, dem Gott der Hebräer, und dem Mose. Und hierbei sprach Mose zu Gott: 

So lass mich doch deine Herrlichkeit sehen, 2.Mo 33:18. Und der HERR sprach: Ich will alle meine Güte vor deinem Angesicht vorüberziehen lassen und will den Namen des Herrn vor dir ausrufen. Und wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und über wen ich mich erbarme, über den erbarme ich mich. Und er sprach weiter: Mein Angesicht kannst du nicht sehen, denn kein Mensch wird leben, der mich sieht! Doch sprach der HERR: siehe, es ist ein Ort bei mir, da sollst du auf dem Felsen stehen. Wenn dann meine Herrlichkeit vorübergeht, so stelle ich dich in die Felsenkluft und will dich mit meiner Hand solange bedecken, bis ich vorübergegangen bin. Wenn ich dann meine Hand zurückziehe, so darfst du hinter mir hersehen; aber mein Angesicht soll nicht gesehen werden! 2.Mo 33:19-23. 

 

Gottes Worte: Mein Angesicht kannst du nicht sehen, denn kein Mensch wird leben, der mich sieht!, ist eine klare Aussage von Gott an den Menschen. Jedoch wird von der Bibel auch berichtet, wie Menschen das Angesicht Gottes gesehen haben und nicht gestorben sind. Wie sind nun diese Tatsachen einzuordnen? Auch ergibt sich die Frage: Haben Adam und seine Frau vor dem Sündenfall das Angesicht Gottes gesehen? Denn nach dem Sündenfall versteckten sich Adam und seine Frau vor dem Angesicht Gottes. Übrigens hieß zu diesem Zeitpunkt die Frau noch nicht mit Namen Eva. Diesen Namen bekam sie dann später von Adam. Der Name Eva  auf Deutsch übersetzt  bedeutet "Leben". Und Eva wurde Mutter aller Lebenden, 1.Mo 3:20.

 

Kein Mensch hat das Angesicht Gottes gesehen. Aber Menschen haben jedoch seine Gegenwart gesehen. Wenn Menschen sich begegnen und in ein Gespräch kommen, dann schauen sie sich in der Regel in das Gesicht. So sollte man sich die Begegnung mit Gott nicht vorstellen. Vielmehr zeigt Gott seine Herrlichkeit den Menschen. Und diese Herrlichkeit bezeugt die Gegenwart Gottes. Mose hatte von Gott die Zusage bekommen, dass er seine Herrlichkeit sehen wird, jedoch nicht das Angesicht, 2.Mo 33:22-23. Wenn nun Menschen im Alten Testament, vor dem Kommen des Messias in diese Welt, Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen haben und nicht starben, hatte dies immer mit der zweiten Person des dreieinigen Gottes zu tun. Wenn Gott sichtbar dem Menschen begegnete und mit ihm sprach, ging es immer um die Erscheinung des Sohnes Gottes vor seiner Menschwerdung. Und diese Erscheinung nennt die Bibel den Engel des Herrn.

 

Hierzu drei Beispiele. 

Hagar wurde von Abram schwanger. Sarai, ihre Herrin, wurde in ihren Augen verächtlich. Die Antwort von Sarai gegenüber Hagar war Demütigung. Diese Demütigung war so heftig, dass Hagar vor ihrer Herrin in die Wüste floh. Und in der Wüste kommt der Engel des Herrn zu ihr.  Der Engel des Herrn gibt ihr Anweisungen, und nach dem Gespräch teilte Hagar mit: Du bist der Gott der mich sieht, 1.Mo 16:13.

 

Ein weiteres Beispiel ist das Ringen Jakobs mit einem Mann. Am Ende dieses Kampfes bekommt Jakob den neuen Namen Israel. Und zum Schluss spricht Jakob: Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen, und meine Seele ist gerettet worden, 1.Mo 32:31.

 

Das dritte Beispiel betrifft die Eltern von Simson. Manoach, der Vater von Simson, hatte erkannt, dass der Engel des Herrn Gott ist. Und daher sprach er zu seiner Frau: Wir müssen sicherlich sterben, weil wir Gott gesehen haben, Ri 13:22. 

Manoach wusste um die Aussage, die Gott dem Mose gegenüber gemacht hatte. Menschen können das Angesicht Gottes ohne Schutz nicht sehen. Aber in Jesus Christus ist der Schutz da. Im Alten Testament erscheint der Sohn Gottes den Menschen als Engel des Herrn. Nur in Jesus Christus sieht ein Gläubiger das Angesicht Gottes.

Und dies wird wohl auch so in der Ewigkeit sein.

 
Als Jesus aus Nazareth, der Sohn Gottes, geboren in Bethlehem, den Menschen das Evangelium verkündigte, wollten die Juden von ihm wissen, ob er der Christus ist. Und im weiteren Gespräch gab er diesen Menschen zur Antwort: Ich und der Vater sind eins, Joh 10:30. Nachdem der Herr Jesus gegenüber den Jüngern die Verleumdung angekündigt hatte, wurden diese von ihm getröstet. Und er teilte ihnen mit, dass er der einzige Weg zum Vater ist. Hierauf war es der Apostel Philippus, der den Herrn auffordert, ihnen den Vater zu zeigen. Wörtlich: 

Herr zeige uns den Vater, so genügt es uns, Joh. 14:8. Auf diese Aufforderung erfolgte vom Herrn Jesus an seinen Jünger die Antwort: Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen,

Joh. 14:9.

 

Noch ein Hinweis zu Vers 19 aus 2.Mose, Kapitel 33. Dort spricht der lebendige Gott, der Herr, zu Mose. Wörtlich: 

Und wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und über wen ich mich erbarme, über den erbarme ich mich. 

Hier darf es nicht zur Auffassung kommen, als ob der HERR, der Gott der Hebräer, ein willkürlicher Gott sei. Der Gott Israels hat sich geoffenbart im Vater, Sohn und Heiliger Geist. Und dieser dreieinige Gott ist kein willkürlicher Gott. Er ist heilig, barmherzig und voller Gnade. Es geht also nicht um einen Gott der willkürlich entscheidet, dass der Mensch A Gnade und Barmherzigkeit bekommt und  Mensch B bekommt dies nicht. So ist es nicht gemeint und sollte auch nicht so aufgefasst werden. Der Schöpfergott bringt mit seiner Aussage zum Ausdruck, dass er derjenige ist, der alles in der Hand hält und nicht der Mensch. Ein Mensch kann nicht auf ihn zukommen und vorbringen, was er an guten Werken und an Opfern gebracht hat, um Gnade zu erhalten. Mit einfachen Worten formuliert, der Mensch kann nicht sagen, schau Gott, was für gute Werke ich getan und was ich alles geopfert habe, du musst mir doch jetzt Gnade geben. Jetzt musst du doch zu mir gnädig sein. Und hierzu sagt Gott nein, ich entscheide, nicht du Mensch.

 

Gott belässt es jedoch nicht mit dieser Aussage. Er lässt den Menschen nicht in der Luft hängen. Denn vor seiner Aussage in 2.Mo 33:19 hatte er eine Entscheidung getroffen. Und seine Entscheidung war, dass er seine ganze Liebe und seine ganze Wahrheit den Menschen geben wird, damit sie nicht verloren gehen. Und seine ganze Liebe und seine ganze Wahrheit ist sein Sohn Jesus Christus. Und dieses Geben geschah am Kreuz von Golgatha. Im Sohn, in Jesus Christus, erhalten Menschen Gnade, Erbarmen und Sündenvergebung. Und im Blick auf das Kreuz konnte der lebendige Gott bereits im Alten Testament Gnade den Menschen zukommen lassen. 

 

Simon Petrus, von neuem geboren, kommt dem Auftrag des Herrn nach und betritt die Wohnung des römischen Hauptmanns Kornelius. Und nachdem Kornelius Zeugnis gegeben hatte, tat der Apostel den Mund auf. Der Heilige Geist  gab ihm nun eine wichtige Erkenntnis. Wörtlich: 

Da tat Petrus den Mund auf und sprach: Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht, sondern dass in jedem Volk derjenige ihm angenehm ist, der ihn fürchtet und Gerechtigkeit übt! Das Wort, das er den Kindern Israels gesandt hat, indem er Frieden verkünden ließ durch Jesus Christus - welcher Herr über alle ist, Apg. 10: 34-36. 

 

Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs teilt dem Mose seinen Namen "Ich bin, der ich bin" mit. Mit diesem Namen bringt Gott gegenüber dem Mose seine ewige Existenz zum Ausdruck. Und nicht lange danach offenbart Gott dem Mose göttliche Wesensmerkmale mit, die zu dem Namen "Ich bin, der ich bin" gehören. Nachdem Mose die zwei steinernen Tafeln auf den Boden geworfen hatte und diese dadurch zerschmettert waren, bekam er die Anordnung von Gott, zwei neue Tafeln anzufertigen. Mose tat dies und begab sich wieder auf den Berg Sinai. Und dort kam es wiederum zu einer Begegnung mit dem Herrn. Da kam der Herr in einer Wolke herab und trat dort zu ihm und rief den Namen des Herrn aus. Und der Herr ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: 

Der HERR, der HERR, der starke Gott, der barmherzig und gnädig ist, langsam zum Zorn und von großer Gnade und Treue; der Tausenden Gnade bewahrt und Schuld, Übertretung und Sünde vergibt, aber keineswegs ungestraft lässt, sondern die  Schuld der Väter heimsucht an den Kindern und Kindeskindern bis in das dritte und vierte Glied! 2.Mo 34: 5 bis 7.  

 

Der Schöpfergott beschreibt sich hier selbst. Und diese Beschreibung Gottes ist von fundamentaler Bedeutung für den Gläubigen. Damals für das Volk Israel und heute für die bibeltreuen Christen. Der Sohn Gottes, Jesus Christus, kommt in diese Welt. Und er bringt den heiligen, himmlischen Vater als persönlichen Vater den Menschen. Dies war für die Juden nicht so selbstverständlich. Denn die Israeliten betrachteten den lebendigen heiligen Gott mehr als Vater für das Volk Israel, während  sie im Abraham den persönlichen Vater sahen. Und als die Jünger den Herrn Jesus baten, er solle sie lehren zu beten, sprach er zu ihnen: 

Deshalb sollt ihr auf diese Weise beten: Unser Vater, der du bist im Himmel! Geheiligt werde Dein Name, Mt. 6:9. 

Dem Sohn Gottes, Jesus Christus,  ist es wichtig, dass seine Jünger wissen, dass der Gott im Himmel für die Menschen, die an ihn glauben und ihm gehorsam sind, Vater ist. Und dass der Name dieses Vaters geheiligt werden soll. Daher stellt er dies an den Anfang seines Gebetes. Nun können Gläubige nicht heiligen, so wie es der lebendige Gott tut. Aber die Gläubigen können seinen Namen heiligen, indem sie ihm alle Ehre geben, ihn loben und preisen und ihm danken. Wenn nun Christen alleine oder in der Gemeinschaft mit Glaubensgeschwistern dieses von Jesus Christus gegebene Gebet beten, so sollten sie an den Namen Gottes denken "Ich bin, der ich bin" und an seine Wesensmerkmale, die mit seinem Namen verbunden sind: HERR, der starke Gott, der barmherzig und gnädig ist, langsam zum Zorn und von großer Gnade und Treue; der Tausenden Gnade bewahrt und Schuld, Übertretung und Sünde vergibt. 

 

 

Im Neuen Testament nennt die Bibel  für den lebendigen Gott die Anrede himmlischer Vater, Heiliger Vater, lieber Vater  und für den Sohn Herr, Herr Jesus, Herr Jesus Christus. Und Christen haben die Zusage, dass sie in Jesus Christus, im Sohn Gottes, den Vater sehen. 

 

 

Helmut KRCAL, Bibelhauskreis Zotzenbach im Odw.