Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein                                          DOWNLOAD


Um die vom Gesetz alle geforderte Gerechtigkeit zu erfüllen und sich aber auch mit den Menschen, die sich zur Buße hatten taufen lassen, gleichzustellen, ließ sich der Sohn Gottes, Jesus aus Nazareth, geb. in Bethlehem, im Jordan von Johannes dem Täufer taufen. Des Weiteren brachte  der Sohn Gottes  mit dieser Taufe auch sichtbar zum Ausdruck,  dass er sich dem Vater unterordnet und bereit ist, im Gehorsam zum Vater den Leidensweg zu gehen. Und der Geist Gottes kam auf ihn wie eine Taube und salbte ihn zum öffentlichen Dienst als Prophet, Priester und König. Somit erfüllte sich göttliche Prophetie, welche die Propheten dem Volk Israel angekündigt hatten. 

 

Prophet= Jes 61:1; 11:2; Lk 4:17-21; Apg 10:38;

Priester= Ps 110; Sach 6:13; Hebr 5:5-10; 

König= Ps 2:2,6,7; 45:7; Apg 2:36; 4:26,27; 13:33; Hebr 1:9 iVm 1:13;

 

Danach wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er vom Teufel versucht würde. Nach 40 Tagen und 40 Nächten des Fastens trat Satan an seine Seite und versuchte ihn. Mit den Worten "es steht geschrieben" verweist der Sohn Gottes auf das Gesetz und geht somit nicht auf Satan ein. Satan wird abgewiesen, und die Folge war, dass dieser den Herrn verließ. Danach begann der öffentliche Dienst des Herrn. Die ersten Worte der Verkündigung seines Evangeliums an die Menschen waren: Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe herbeigekommen! Mt 4: 1 bis 17. 

Die Schriftgelehrten, die Pharisäer und die Rabbis beobachteten das öffentliche Wirken von Jesus sehr genau. Vollmächtig lehrte Jesus unter dem Volk und tat mehrere Zeichen und Wunder. Darunter auch drei Wunder, die nach der Lehre der Schriftgelehrten und Rabbiner nur der Messias tun konnte. Das Wirken Jesu führte dazu, dass sich die geistlichen Führer entschlossen, diesen jüdischen Mann aus Nazareth zu beseitigen. Ihre Absicht war es, ihn wegen eines Verstoßes gegen die Torah (Gesetz Mose) anzuzeigen. Sie suchten daher nach einer Gelegenheit, ihm nachzuweisen, dass er gegen das Gesetz Mose verstoßen hat.

 

Nachdem Jesus am Ölberg gewesen war, ging er anschließend in den Tempel. Dort kam das Volk zu ihm. Von Jesus wurde das Volk nicht abgewiesen, sondern er setzte sich und lehrte sie. Dieses Verhalten von Jesus mißfiel den Schriftgelehrten und Pharisäern. Sie wollten nicht wahrhaben, dass diese jüdische männliche Person der verheißene Messias ist, der Sohn Gottes. Des Weiteren waren sie auch eifersüchtig und neidisch auf ihn, da er so lehrte, dass das Volk zu ihm kam und ihn auch Rabbi nannte, obwohl er in keiner Rabbischule ausgebildet worden war. Nach jüdischem Verständnis sollte auch ein Rabbi verheiratet sein, was jedoch bei diesem Mann mit Namen Jesus nicht  gegeben war. Als nun Jesus wieder das Volk lehrte, brachten sie in dieser Situation  eine Frau zu ihm. Nach Mitteilung der Schriftgelehrten und Pharisäer war diese Frau beim Ehebruch ergriffen worden. Und zwar während der Tat. Die Frau wird nicht mit Namen genannt und es gibt auch keinen Hinweis auf ihr Alter.

 
Die Schriftgelehrten und Pharisäer hatten die Frau selbst nicht beim Ehebruch ergriffen. Sie waren somit keine Tatzeugen. Dies waren andere Männer. Und diese Männer hatten sie mitgebracht. Nachdem die Schriftgelehrten und Pharisäer den Ehebruch erklärt hatten, verweisen sie auf das Gesetz und dass Mose geboten hat, dass man solche steinigen sollte. Und nun wollten sie vom Herrn Jesus wissen, was er dazu sagt. Von der Bibel erfolgt hierauf ein wichtiger Hinwies, der zu beachten ist. Die Schriftgelehrten und Pharisäer sagten dies, um den Herrn Jesus zu versuchen, damit sie ihn anklagen können. Mit anderen Worten, sie wollten vom Herrn Jesus eine Antwort hören, mit der er gegen das Gesetz Mose verstoßen hätte. Ihre Absicht war es, den Herrn Jesus in Sünde zu bringen, um ihn anzuklagen. Der Hinweis von diesen Schriftgelehrten und Pharisäern bezog sich auf 3.Mo 20:10. 

Und dort teilt Gottes Wort mit: 


Wenn ein Mann mit einer Frau Ehebruch treibt, wenn er Ehebruch treibt mit der Frau seines Nächsten, so sollen beide, der Ehebrecher und die Ehebrecherin, unbedingt getötet werden.

 

Jesus Christus, der Herr, gibt zunächst keine Antwort auf die Frage dieser Männer. Und das hat seinen Grund. Denn der Herr Jesus hat die Falle, die ihm gestellt wurde, erkannt. Das Gesetz Mose gebot, dass Ehebrecher und Ehebrecherin unbedingt getötet werden sollen. Das Gebot aus dem Gesetz Mose bezog sich auf den Mann und auf die Frau. Und obwohl die Frau während der Tat beim Ehebruch ergriffen wurde, fehlt der Ehebrecher, der Mann. Wie kommt es nun, dass der Mann nicht vorgeführt wurde? Die erste Möglichkeit wäre, dass tatsächlich ein Ehebruch begangen worden war, aber man hatte dann bewusst den Ehebrecher nicht ergriffen. Die zweite Möglichkeit wäre, dass ein Ehebruch nicht vorlag und es sich um einen raffinierten Plan handelte. Als die religiösen jüdischen Männer noch sprachen, bückt sich Jesus und schreibt mit dem Finger auf die Erde. Da der Finger und die Erde in dieser Situation von der Bibel genannt werden, sind diese Hinweise zu beachten.  

 

Zunächst zu dem Schreiben auf die Erde. Jesus verweist mit dem Schreiben auf die Erde, nach Auffassung einiger Bibelausleger, auf eine Aussage des Propheten Jeremia. Dort teilt Gottes Wort mit:

 

Herr, du Hoffnung Israels! Alle, die dich verlassen, müssen zuschanden werden! Ja, die, welche von mir weichen, werden auf die Erde geschrieben werden; denn sie haben den Herrn verlassen, die Quelle des lebendigen Wassers! Jer 17:13. 

 

Jedoch muss festgehalten werden, dass die Bibel an dieser Stelle im Johannesevangelium nicht mitteilt, was Jesus auf die Erde schrieb. Aber jeder Israelit, der an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs glaubte, hatte Kenntnis, dass der Schöpfergott nach dem Sündenfall den Erdboden verfluchte, 1.Mo 3:17. Ein gläubiger Jude wusste daher, was es bedeutete, wenn sein Name auf den verfluchten Erdboden geschrieben ist. Die danach gesprochenen Worte des Herrn Jesus geben den indirekten Hinweis, dass sein Schreiben mit dem Finger auf die Erde wahrscheinlich mit der Aussage aus Jeremia 17, in Verbindung mit dem Hinweis aus 1.Mo 3:17,  zu tun hatte. 

 

So dürfte dies auch auf den Finger zutreffen. Nach der dritten Plage in Ägyptenland sprachen die Zauberer zum Pharao: Das ist der Finger Gottes, 2.Mo 8:15. Als der lebendige Gott mit Mose auf dem Berg Sinai zu Ende geredet hatte, gab er ihm die beiden Tafeln des Zeugnisses, Tafeln aus Stein, beschrieben mit dem Finger Gottes, 2.Mo 31:18. Der lebendige Gott hat mit dem Finger die zehn Gebote in die Steintafeln geschrieben. Als sich die Stämme Juda und Benjamin in der babylonischen Gefangenschaft befanden, war der dortige König Belsazars vermessen und ließ goldene Gefäße holen, die aus dem heiligen Tempel von Jerusalem waren. Und als die Personen die Gefäße benutzten, kamen Finger einer Menschenhand und schrieben an die Wand  das Gerichtsurteil über den König, Dan 5:5-6. Der Finger Jesu, der auf die Erde schrieb, war auch der Finger, der die zehn Gebote in die Steintafeln geschrieben hatte. Er, der selbst das siebte Gebot "du sollst nicht ehebrechen" gegeben hatte, 2.Mo 20:14 und der durch die Engel dem Mose die Anweisung gab, dass Ehebrecher und Ehebrecherin unbedingt getötet werden sollen, Apg 7:53; Gal 3:19; Hebr 2:2, wird hier von den Schriftgelehrten und Pharisäern versucht, eine Falschaussage zu machen. Jesus aus Nazareth, der Sohn Gottes, reagierte jedoch so, dass die Angelegenheit eine Wendung bekam, mit der diese religiösen jüdischen Männer nicht gerechnet hatten.

 

Das Gesetz Mose gab den Zeugen eine wichtige Bedeutung. Hierzu einige Stellen aus dem Alten Testament. 

Du sollst kein falscher Zeuge sein, 2.Mo 23:1; 

Jeder, der einen Menschen erschlägt-auf die Aussage der Zeugen hin, soll man den Totschläger totschlagen; ein einziger Zeuge aber genügt nicht, um gegen einen Menschen zur Hinrichtung auszusagen, 4.Mo 35:30; 5.Mo 17:6; 

Die Hand des Zeugen soll die erste sein, ihn zu töten 5.Mo 17:7;

Durch zweier oder dreier Zeuge Mund soll eine Sache gültig sein, 5.Mo 19:15; 

Wenn ein falscher Zeuge aufgetreten ist, so soll er dafür die Strafe bekommen, 5.Mo 19:16-19. 

 

Auch im Buch der Sprüche wird die Bedeutung und Wichtigkeit der  Zeugen aufgeführt. Beispiele:

ein falscher Zeuge bleibt nicht unbestraft, ein treuer Zeuge lügt nicht; ein lügenhafter Zeuge wird umkommen, sei nicht ein falscher Zeuge, Spr 6:19; 14:5; 21:28; 24:28; 

 

Das Verhalten von Jesus bewirkte, dass nicht die beschuldigte Frau im Mittelpunkt stand, sondern die Zeugen. Es ging nun bei Jesus um die Bedeutung und Wahrhaftigkeit der Zeugen. Die Bibel teilt nicht mit, wie die religiösen jüdischen Männer das vom Herrn Jesus auf die Erde geschriebene Wort aufnahmen. Vielmehr wird mitgeteilt, dass sie weiterhin den Herrn Jesus fragten. Und erst jetzt, nach diesem weiteren Fragen,  gab Jesus eine Antwort. Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie. Mit dieser Antwort verweist der Herr Jesus auf das Gesetz Mose, auf die Gebote, die für die Zeugen gegeben worden waren. Mit anderen Worten, wenn ihr Zeugen keine falschen Zeugen seid, so seid ihr vom Gesetz aufgerufen, als erste die Steine zu werfen. Hinzu kam noch die rabbinische Lehre, dass der Zeuge selbst eine solche Tat, eine solche Sünde, in seinem Leben nicht begangen haben darf. Hierbei haben sie sich hauptsächlich auf ein Gebot für die Zeugen  im fünften Buch Mose berufen. Hatte der Zeuge in seinem Leben selbst eine solche Tat, die nicht aufgedeckt war, in diesem Fall die Sünde des Ehebruchs, begangen, so darf er nicht als Zeuge auftreten. Die Sünde, die Jesus hier anspricht, betrifft nur die Sünde des Ehebruchs. Denn Jesus spricht nicht: wer völlig sündlos ist, der werfe den ersten Stein, sondern er sagt, wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein. 

 

Nachdem der Herr Jesus zu den Männern  gesprochen hatte, bückte er sich wieder und schrieb noch einmal auf die Erde. Die Männer haben jedoch den Hinweis vom Herrn Jesus verstanden. Ihr Gewissen schlug an. Sie waren keine treuen Zeugen, sondern falsche Zeugen und haben wohl selbst in ihrem Leben Ehebruch begangen. Sie konnten daher keine Steine werfen. Einer nach dem anderen geht weg. Und Jesus blieb allein. Nur die Frau stand bei ihm. Die Schrift gibt keine Hinweise darauf, ob die Frau verheiratet war. Und wenn sie verheiratet war, erfolgt auch kein Hinweis, ob auch eventuell ihr Ehemann bei den Männern gestanden hatte. Was jedoch auffällt ist, dass die Frau bis dahin kein Wort geredet hatte. Und es ist der Herr Jesus, der sie nun anspricht. Und die Frage, die er stellt, ist nicht diese, hast du Ehebruch begangen, sondern er stellt die Frage: wo sind jene, deine Ankläger? Hat dich niemand verurteilt? Die Antwort der Frau ist „niemand“. Von ihr wird das Wort unschuldig oder schuldig nicht ausgesprochen. 

Und der Herr Jesus antwortet, so verurteile ich dich auch nicht. Mit dieser Aussage hält sich Jesus genau an das Gesetz Mose. Denn eine Verurteilung war nur möglich auf zweier oder dreier Zeugen Mund. Und diese Zeugen fehlten. Aber er gibt der Frau den Hinweis, nicht mehr zu sündigen. Dieser Hinweis betrifft das alltägliche Leben. Nicht mehr sündigen heißt vom falschen Weg umkehren und sich nach Gott ausrichten. Dies hat der Herr Jesus auch zu anderen Personen gesprochen, zum Beispiel nach der Heilung eines Kranken beim Teich Bethseda, Joh 5:14. 

 

Bis heute wurde die Aussage der Schrift "wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein", oft mißbraucht und als Argument vorgebracht, um Ermahnung gegenüber vorliegender Sünde mundtot zu machen oder um Gemeindezucht zu verhindern.  Dabei geht es in diesem Ereignis um die Zeugen im Falle eines Ehebruchs. Wenn du ein echter Zeuge und du kein falscher Zeuge bist und du selbst in deinem Leben keinen Ehebruch begangen hast und du somit in dieser Sache ohne Sünde in Bezug auf Ehebruch bist, so werfe nach dem Gesetz Mose den ersten Stein. 

 

Was manche Christen bei diesem Thema oft nicht beachten, ist Gottes Wort in Bezug auf Sünde in der Gemeinde und die Notwendigkeit von Gemeindezucht. Der Apostel Paulus schreibt unter der Führung des Heiligen Geistes an die Christen in Korinth:

 

Jetzt aber habe ich euch geschrieben, dass ihr keinen Umgang haben sollt mit jemand, der sich Bruder nennen lässt und dabei ein Unzüchtiger oder Habsüchtiger oder Götzendiener oder Lästerer oder Trunkenbold oder Räuber ist, mit einem solchen sollt ihr nicht einmal essen. Denn was gehen mich auch die an, die außerhalb der Gemeinde sind, dass ich sie richten sollte? Habt ihr nicht die zu richten, welche drinnen sind? Die aber außerhalb sind, richtet Gott. So tut den Bösen aus eurer Mitte hinweg! 1.Kor 5: 11-13.

 

 

Helmut KRCAL, Bibelhauskreis Zotzenbach im Odw.