Der Christ und die Liebe zum Fremden                                                                PDF-DOWNLOAD


Zunächst  gilt es, das Gleichnis vom ungerechten Richter zu betrachten, Lk 18:1-6. Dieser Richter fürchtete Gott nicht und scheute sich auch nicht vor den Menschen. Der Richter wird von einer Witwe aufgesucht und diese möchte von ihm, dass er ihr Recht gegenüber ihrem Widersacher verschafft. Der Richter tat dies zunächst nicht. Aber die Witwe gab nicht auf, so dass er der Bitte dieser Witwe nachkam und ihr Recht verschaffte. Nach diesem Gleichnis gab Jesus den Hinweis auf Gott, den himmlischen Vater, und auf dessen Auserwählte, den Kindern des himmlischen Vaters.  

Lk 18:8 teilt mit: 
Ich sage euch: Er wird ihnen schnell Recht schaffen! Doch wenn der Sohn des Menschen kommt, wird er auch den Glauben finden auf Erden? 
Jesus Christus spricht nicht "wird er einen Glauben finden auf Erden?" sondern er sagt den Glauben. Es geht hier nicht um irgendeinen Glauben, sondern um den Glauben an den Sohn Gottes und dass dieser Gott ist, wie der Vater und der Heilige Geist. Es geht um den Glauben, dass der Sohn sein sündloses Blut und Leben gab, damit Menschen gerettet werden und er, der Sohn Gottes, somit der einzige Weg zum Vater ist. 

 

In der heutigen Situation um die ankommenden Flüchtlinge kann festgestellt werden, wie der Name Jesus Christus in der Öffentlichkeit  immer weniger genannt wird, bzw. vermeidet man diesen Namen auszusprechen. Es erfolgen von großen Teilen der Christenheit keine Hinweise mehr an die Menschen über die Tatsache, dass er der Herr aller Herren ist, der König aller Könige und dass er der Friedefürst und Heiland dieser Welt ist. In ehrlicher Weise  wird sein Name nur noch in den Christengemeinden genannt, die ihm treu folgen. Geleugnet werden kann jedoch nicht, dass der Name Jesu auch immer wieder in den beiden Amtskirchen ausgesprochen wird. Aber dieser von ihnen genannte Jesus ist allerdings ein Christus, der nicht identisch ist mit dem biblischen Jesus. Jesus selbst ist es, der auf das Kommen der falschen Christusse hinweist. Auf die Frage seiner Jünger, bezüglich dem  Zeichen seiner Wiederkunft, gibt er den Hinweis auf falsche Christusse.

 

Mt 24:4,5 Habt acht, dass euch niemand verführt! Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin der Christus! Und sie werden viele verführen.

 

Obwohl der Name Jesu von den Menschen immer weniger genannt wird und es sich bei dem heutigen Deutschland um ein Neuheidenland handelt, ist allerdings festzustellen, dass von Personen aus der Wirtschaft, Politik, Parteien, Presse, Fernsehen, Religionen, Amtskirchen und Freikirchen,  im Zusammenhang mit der Flüchtlingsproblematik, Verse aus der Bibel zitiert werden. Hierbei wird zumeist auf die Liebe zum Nächsten hingewiesen. Diese Liebe zum Nächsten sei Christenpflicht. 

Ebenso haben auch Atheisten keine Probleme, auf die entsprechenden Verse der Bibel hinzuweisen. Und die Flüchtlinge seien nun einmal Nächste. Weil ungläubige Christen, Atheisten und Angehörige anderer Religionen auf die Liebe zum Nächsten aufmerksam machen, sind wahre Christen aufgerufen, dies am Wort Gottes zu prüfen. 

Das Gleichnis des Herrn Jesus Christus vom barmherzigen Samariter ist vielen Menschen bekannt, Lk 10:25-37. Nun stieg der Samariter nicht vom Reittier, weil er in dem Niedergeschlagenen seinen Nächsten erkannte. Sondern er beschloss in dieser Situation der Nächste für diesen Niedergeschlagenen zu sein. Er sah die Not eines Menschen und ließ Barmherzigkeit in seinem Herzen zu. Und ohne Zweifel ist Barmherzigkeit ein Akt der Liebe. Und weil Barmherzigkeit ein Akt der Liebe ist, sollte der Niedergeschlagene jetzt den Samariter als seinen Nächsten erkennen und ihn lieben, wie sich selbst. Denn der Samariter hatte ja beschlossen für ihn, der hilflos im Staub lag,  der Nächste zu sein. 

Die Verse 36 und 37 geben die Antwort auf die Frage des Gesetzeslehrers: wer ist mein Nächster.

 

Mt 10:36,37 Welcher von diesen Dreien ist deiner Meinung nach nun der Nächste dessen gewesen, der unter die Räuber gefallen ist? Er sprach: Der, welcher Barmherzigkeit an ihm geübt hat! Da sprach Jesus zu  ihm: So geh du hin und handle ebenso! 

 

Als der Gesetzeslehrer zu Jesus sprach: "Wer ist mein Nächster" hätte Jesus sagen können: alle Menschen sind deine Nächsten. Eine solche Aussage machte jedoch Jesus nicht, sondern er antwortete mit einem Gleichnis. Zuvor hatte Jesus zu dem Gesetzeslehrer gesprochen:

Was steht im Gesetz geschrieben? Wie liest du? Und der Gesetzeslehrer antwortete:

 "Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Denken, und deinen Nächsten lieben wie dich selbst."  

 

Das Gebot den Herrn zu lieben wird in der Torah, 5.Mo 6:4-5, aufgeführt. Dieses Gebot an Israel ist jedoch kein neues Gebot, sondern umfasst die ersten vier Gebote der zehn Gebote. Das Gebot "Du sollst keine anderen Götter neben mir haben, 2.Mo 20, wird mit den Worten in 5.Mo 6, "Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein! Und du sollst den Herrn, deinen Gott lieben", nur in anderer Weise zum Ausdruck gebracht.  Das Gebot, den Nächsten zu lieben, wird in 3.Mo 19:18 genannt. Und auch hier handelt es sich nicht um ein neues Gebot, sondern dieses Gebot umfasst die letzten sechs Gebote der zehn Gebote. Für die Israeliten waren jedoch nur die Angehörigen der zwölf Stämme Israels Nächste. Menschen aus den Heidenvölkern waren für sie keine Nächste. 

Und daher erhielt Israel vom lebendigen Gott das Gebot, den Fremden zu lieben, 3.Mo 19:34; 5.Mo 10:19.

 

Der Fremdling, der sich bei euch aufhält, soll euch gelten, als wäre er bei euch geboren, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen im Land Ägypten. Ich, der HERR, bin euer Gott.
Und auch ihr sollt den Fremdling lieben, denn ihr seid ebenfalls Fremdlinge gewesen im Land Ägypten.

 Aber welcher Fremde sollte nun so geliebt werden wie sich selbst? Denn Gottes Wort im Alten Testament teilt den Fremden in zwei Gruppen ein.

 Und der Herr sprach zu Mose und Aaron: Dies ist die Ordnung des Passah: Kein Fremdling darf davon essen, 2.Mo 12:43.

 Von der Bibel wird mit diesem Vers mitgeteilt, dass der Fremdling ausgeschlossen ist. Jedoch gab es aber eine Gruppe von Fremdlingen, die waren davon nicht ausgeschlossen.
 
Und wenn sich bei dir ein Fremdling aufhält und dem Herrn das Passah feiern will, so soll alles Männliche bei ihm beschnitten werden, und dann erst darf er hinzutreten, um es zu feiern: und er soll sein wie ein Einheimischer des Landes, denn kein Unbeschnittener darf davon essen. Ein und dasselbe Gesetz soll für den Einheimischen und für den Fremdling gelten, der unter euch wohnt, 2.Mo 12:48, 49. 

 

Der Fremde hatte nur das Recht, am öffentlichen Leben der Israeliten teilzunehmen, wenn er den Gott Israels angenommen hatte. Und das Gesetz galt für ihn und den Einheimischen. Und diesen Fremden, der von Geburt her kein Israelit war, der sich jedoch beschneiden ließ und an den Gott Israels glaubte, sollte der Israelit lieben wie sich selbst.  Denn dieser gehörte nun zum irdischen Volk Gottes, auch wenn er von seiner Geburt her kein Israelit war. Im Neuen Testament wird diesbezüglich noch ein weiterer Hinweis auf Heiden gegeben, die an den Gott Israels glaubten, die aber jedoch nicht zum Judentum übergetreten waren. Diese an den Gott Israels gläubigen Heiden nennt die Schrift Gottesfürchtige. 

Die Sadduzäer, die nicht an eine Auferstehung der Toten glaubten, befragten jedoch den Herrn Jesus diesbezüglich, Mt 22: 23-32. Und nachdem die Pharisäer vernommen hatten, dass Jesus ihnen den "Mund gestopft" hatte ging einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, zu Jesus und fragte ihn nach dem größten Gebot im Gesetz. Und Jesus sprach zu ihm.

 "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken. Das ist das erste und größte Gebot. Und das zweite ist ihm vergleichbar. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen zwei Geboten hängen das Gesetz und die Propheten, Mt 22:34-40. 

Das griechische Wort, das im Deutschen mit Nächster übersetzt ist, wäre mit dem Wort Naher die konkretere Übersetzung (Neues Testament nach Herbert Jantzen). Hier ist zu beachten, dass das Gebot, den Nächsten zu lieben wie sich selbst, an zweiter Stelle steht und nicht das größte Gebot ist. An erster Stelle steht das Gebot, Gott zu lieben, und dies ist das größte Gebot. Das zweite Gebot ist daher ohne Bedeutung, wenn das erste Gebot nicht befolgt wird. Weiter ist dieses zweite Gebot nicht gleich dem ersten Gebot, sondern wird vom Herrn Jesus als vergleichbar bezeichnet.  Und vergleichbar ist nicht gleich. 

Jesus war auf einen Berg gestiegen und predigte zu den Jüngern. In der Nähe stand jedoch auch die Volksmenge und hörte, was Jesus zu den Jüngern sprach, Mt 5:1,2; 7:28,29. Diese Predigt wird von den Christen als Bergpredigt bezeichnet. Und in dieser Predigt machte Jesus die Aussage:

 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, welche euch beleidigen und verfolgen, Mt 5: 43, 44. 

 

Mit dem Hinweis "ihr habt gehört" verweist der Herr Jesus auf die Lehre der Schriftgelehrten. Denn im Gesetz Mose gab es kein Gebot des lebendigen Gottes an Israel, den Feind zu hassen. Mose musste dem Volk Israel verkündigen, dass Gott den Götzendienst hasst und deswegen auch Gericht auf die Menschen zukommen lässt, die dieses tun. Aber es erfolgt kein Gebot an Israel, den Feind zu hassen, 5.Mo 12:29-31. Die Schriftgelehrten stellten sich jedoch über das Wort Gottes und lehrten, den Feind zu hassen. Und diese Irrlehre wird von Jesus angesprochen, und von ihm wird aufgeführt, wie man dem Feind begegnen soll. Ein Gebot, mit dem Feind Gemeinschaft zu haben, wird von Jesus nicht gegeben. Wer sind nun die Feinde? Feinde sind solche Menschen, welche Jesus Christus, den Sohn Gottes, und sein Erlösungswerk ablehnen. Sie sind Feinde des Kreuzes und somit Feinde des Evangeliums, Phl 3:18. Diesen Menschen haben Christen in der Feindesliebe zu begegnen und ihnen die frohe Botschaft des Evangeliums zu verkündigen. 

Im Alten Bund erfolgte an Israel das Gebot, den Bruder  nicht im Herzen hassen, 3.Mo 19:17. Dieses Gebot wird von Jesus Christus erweitert, und er nennt dieses erweiterte Gebot ein neues Gebot. Es ist ein Gebot für alle wahren Nachfolger Jesu. Das Gebot der Geschwisterliebe, Joh 13:34,35; 15:12. 

Christen haben den Menschen, die nach Europa kommen, besonders nach Deutschland, in der Gesinnung Jesu Christi zu begegnen. Die meisten von diesen Menschen gehören der Religion Islam an und sind somit Feinde des Evangeliums. Der Koran, Sure 9:30, teilt ihnen mit: Wer sagt, Jesus Christus ist der Sohn Gottes, sei verflucht, Allah schlage ihn tot. Jedoch hat ein Christ gegenüber den Menschen, die zu dieser Religion gehören, das Gebot der Feindesliebe zu beachten. Allerdings darf bei den Begegnungen mit ihnen der Salz- und Lichtauftrag nicht vergessen werden. 

Wenn jedoch bei diesen Ankommenden bereits Menschen dem Herrn Jesus Christus gehören, so sind sie Glaubensgeschwister. Und für den hiesigen Christen gilt es nun, dem Gebot der Geschwisterliebe nachzukommen. 

Obwohl von neuem geboren, hatte Simon Petrus immer noch seine Schwierigkeiten in richtiger Weise einem Heiden, der an den Gott Israels glaubte, zu begegnen. Und im Haus von Kornelius wirkte der Heilige Geist bei Petrus so, dass er darüber Erkenntnis bekam, was eigentlich schon im Alten Testament erwähnt wird (siehe z.B. Rahab u. Ruth). Gottes Wort teilt in der Apostelgeschichte mit:

Da tat Petrus den Mund auf und sprach: Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht, sondern dass in jedem Volk derjenige angenehm ist, der ihn fürchtet und Gerechtigkeit übt! Das Wort, das er den Kindern Israels gesandt hat, indem er Frieden verkündigen ließ durch Jesus Christus- welcher Herr über alle ist-, Apg 10:34-36. 

 

Im letzten Buch der Bibel, im letzten Kapitel der Offenbarung, kann der Christ lesen: Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es hört, der spreche: Komm! Und wen da dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst! Offb 22:17. Es geht um die Stimme der Braut in der Öffentlichkeit. Und es ist eine traurige Tatsache, dass die Stimme der Braut in Deutschland sehr leise geworden ist. 

Noch ein Hinweis zu dem Wort Flüchtling. In der heutigen Situation mit den Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen, werden auch Ereignisse aus der Bibel als Vergleich genannt. Besonders von christlicher Seite aus geschieht dies.  Konkret wird oft auf Jesus hingewiesen. Dieser sei als Säugling mit seinem Ziehvater Josef und mit seiner Mutter ein Flüchtling gewesen. Bei dieser Auffassung wird jedoch nicht beachtet, dass Josef von Gott durch einen Engel den Auftrag bekam, nach Ägyptenland zu gehen. Daher ist dieses Beispiel, aber auch die anderen Beispiele, von der die Bibel berichtet, nicht mit der heutigen Flüchtlingssituation in dieser Welt vergleichbar. Das Wort Flüchtling selbst wird in der Bibel nur dreimal erwähnt, Ri. 12:4; Jes 16:3,4. Gleich aus welchen Ursachen die Menschen ihre Heimat verlassen haben und sich nun in einem anderen Land aufhalten, werden sie von der Schrift Fremdlinge genannt. Nur im Buch der Richter wird das Wort Flüchtling einmal und im Buch Jesaja zweimal genannt.  Dieses Wort Fremdling verwendet Gottes Wort jedoch auch für die Christen. Christen, Kinder des himmlischen Vaters, sollen wissen, dass sie Gäste und Fremdlinge in dieser Welt sind, 1.Petr 1:1; 2:11. Denn das Bürgerrecht oder die Heimat eines Christen ist im Himmel, von woher die Christen auch den Herrn Jesus Christus erwarten als den Retter, Phil 3:20. 

 

Im Alten Testament ergeht von Gott an Israel das Gebot Gott zu lieben, den Nächsten zu lieben (als Nächsten sah man nur die Angehörigen vom Volk Israel an) und den Fremden zu lieben (dies waren Heiden, die an den Gott Israels glaubten und durch Beschneidung dem Judentum beigetreten sind). 

Das Gebot der Fremdenliebe wird im Neuen Testament nicht erwähnt. Dieses Gebot  wird vom Herrn Jesus Christus aufgeteilt in die Feindesliebe und in die Geschwisterliebe. Menschen, die aus anderen Ländern und Völkern kommen, aber sich zu Jesus Christus bekehrt haben, sind keine Fremden, sondern Geschwister. Und diesen Brüdern und Schwestern haben die einheimischen Christen in der Geschwisterliebe zu begegnen. Und Menschen, die aus anderen Völkern und Ländern kommen und den Herrn Jesus nicht im Herzen haben und ihn ablehnen, sind Feinde des Evangeliums. Und diesen Menschen haben Christen in der Feindesliebe zu begegnen, wobei ihnen in der Liebe zum Christus und in seiner Wahrheit der einzige Rettungsweg zu verkündigen ist. Denn der Salz- und Lichtauftrag vom Herrn Jesus an seine Nachfolger erfordert dies. 

 

 

Helmut KRCAL, Bibelhauskreis Zotzenbach im Odw.