1.Mose 1:1,31; 2:1; 2.Mose 20:11; Kol. 1:15-17

 

Die Frage, wann wurde von dem Schöpfergott die Himmel und die Engel geschaffen, wird immer wieder von Christen gestellt. Und diese Frage ist nicht verwerflich. Problematisch sind jedoch die unterschiedlichen Antworten von Christen auf diese Frage. Christen sind jedoch angehalten, biblisch zu denken. Mit anderen Worten, wenn es um ein Thema geht, so hat ein Christ die Aussagen der Bibel zu beachten, um die biblische Antwort zu erfahren. Und diese biblische Antwort sollte im Zentrum der Verkündigung sein. Für alle Brüder, die das Wort geben, gelten hierbei zwei Regeln, die bei der Auslegung zu beachten sind. Die Predigt darf nicht so verkündigt werden, dass nach der Auslegung die Auffassung besteht,  die Bibel würde sich manchmal widersprechen. Des Weiteren sollte die Auslegung zu einem Thema nicht mit schwierigen und unklaren Stellen der Schrift  erfolgen, sondern mit den Stellen der Schrift, die zu dem Thema hierzu klare und verständliche Aussagen machen.

 

Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde, 1.Mose 1:1. Das hebräische Wort für die deutsche Übersetzung "die Himmel" bezeichnet einmal den Lufthimmel über der Erde, z.B. 5.Mose 4:17, als auch den Sternenhimmel, z.B. 5.Mose 4:19 und den Himmel als den Thron Gottes, z.B. Psalm 2:4. Den letztgenannten Himmel nennt der Apostel Paulus den dritten Himmel, 2.Kor 12:1-7. Gottes Wort gibt somit den Hinweis auf drei Himmel. Die Himmel (Mehrzahl) und die Erde (Einzahl) wurden im Anfang geschaffen. Danach werden durch Gottes Wort nähere Hinweise über die Erde gegeben. Und die Erde war wüst und leer. Und Finsternis lag auf der Tiefe. Im Gegensatz hierzu erfolgen über die Himmel zunächst keine weiteren Informationen. Dies geschieht dann erst am zweiten, dritten, vierten und fünften Tag, 1.Mose 1:6-9, 14-18, 20.

 

Die Erschaffung des Menschen erfolgte am sechsten Tag, 1.Mose 1:26-28. Gott segnete den Mann und die Frau und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan; und herrscht... Nach 1.Mose 2:15 beinhaltet dieses "Untertan"-Machen und dieses "Herrschen" das Bebauen und das Bewahren der geschaffenen Erde. Und nachdem der Schöpfergott die Menschen geschaffen hatte, sah er alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut, 1.Mose 1:31.

 

Dieser Hinweis der Bibel sollte bei der Betrachtung des Themas nicht außer Acht gelassen werden. Über die Erschaffung der Engel wird bis Ende des sechsten Tages keine Information  gegeben. Jedoch wird unmittelbar nach der Aussage "es war sehr gut" eine Mitteilung über die Himmel und über die Engel gemacht. Wörtlich:

So wurden der Himmel und die Erde vollendet samt ihrem ganzen Heer, 1.Mo 2:1.

 

Der Schöpfergott hatte am siebten Tag sein Werk vollendet, das er gemacht hatte, und ruhte am siebten Tag von seinem ganzen Werk, 1.Mose 2:2. An dieser Stelle der Schrift bleibt jedoch immer noch die Frage offen, ob die Himmel im Anfang vor der Erde geschaffen wurden. Ebenso die Engel. Und diese offene Frage wird jedoch in 2.Mose 20:11 beantwortet.

Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und er ruhte am siebten Tag; darum hat der HERR den Sabbattag gesegnet und geheiligt.

Die Schrift teilt nicht den konkreten Tag von diesen sechs Tagen mit, an dem die Engel geschaffen wurden. Sie teilt jedoch mit, dass die Himmel und die Engel in diesen sechs Tagen geschaffen wurden. Diese Aussage im Alten Testament wird im Neuen Testament an die Christen in Kolossä aufgegriffen und bestätigt.

Denn in ihm (hiermit ist Jesus Christus gemeint) ist alles erschaffen worden, was im Himmel und was auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten; alles ist durch ihn und für ihn geschaffen, Kol. 1:16.

 

Wenn die Himmel und alle Engel zur ursprünglichen Schöpfung gehören, dann war alles, was Gott bis zum Ende des sechsten Tages geschaffen hatte, sehr gut. Deshalb muss der Fall Satans irgendwann nach dem siebten Tag angesiedelt werden. Und über den Fall Satans werden von der Schrift zwei indirekte Hinweise gegeben. Es ist einmal der Prophet Jesaja, der ein Spottlied auf den König von Babel ausspricht. Und in diesem Spottlied ist der König ein Bild für den Glanzstern, lateinisch Luzifer genannt. Und mit Glanzstern ist Satan gemeint, Jes 14:12-15. Des Weiteren macht der Prophet Hesekiel eine Weissagung über den Fürsten von Tyrus. Und auch in dieser Weissagung erfolgen Hinweise auf den Fall Satans, Hes. 28:14-19.

 

Und nun zu einer Bibelstelle, die von Christen aufgeführt wird, die der Auffassung sind, dass die Himmel und die Engel vor dem ersten Tag der Schöpfungswoche bereits erschaffen wurden. Die Schlachter 2000 übersetzt diese Bibelstelle wie folgt:

Wer hat ihre Maße bestimmt? Weißt du das? Oder wer hat die Messschnur über sie ausgespannt? Worin wurden ihre Grundpfeiler eingesenkt, oder wer hat ihren Eckstein gelegt, als die Morgensterne miteinander jauchzten und alle Söhne Gottes jubelten? Hi.  38:5-7.

 

Mit Morgensterne und Söhne Gottes sind hier die Engel gemeint. Aufgrund dieser drei Verse kommen nun manche Christen zur Auffassung, dass die Engel eben vor dem ersten Schöpfungstag geschaffen worden waren. Der Text gibt jedoch über die Zeit ihrer Erschaffung keinen Hinweis. Sondern er teilt nur mit, dass sie jauchzten und jubelten. Im Psalm 148 wird mitgeteilt, wie die Engel den Schöpfergott lobten. Jedoch zusammen mit der ganzen Schöpfung.

 

Die LXX übersetzt Hiob 38:7 wie folgt: als die Gestirne erschaffen wurden, lobten mich mit mächtiger Stimme alle meine Engel. Nach dem Schöpfungsbericht wurden die Gestirne am vierten Tag erschaffen, 1.Mose 1:14-19. Wenn nun Hiob 38:5-7 so ausgelegt wird, dass die Engel schon vor dem ersten Tag der Schöpfungswoche vom dreieinigen Gott erschaffen worden waren, ergibt sich ein Widerspruch zu 2.Mose 20:11. Denn dort gibt Gottes Wort den Hinweis, dass alles in sechs Tagen geschaffen worden war und alles was darinnen ist. 

Der Apostel Paulus schreibt an die Christen in Korinth:

Ich weiß von einem Menschen in Christus, der vor 14 Jahren (ob im Leib oder außerhalb des Leibes, ich weiß es nicht; Gott weiß es) bis in den dritten Himmel entrückt wurde. Und ich weiß von dem betreffenden Menschen (ob im Leib oder außerhalb des Leibes, weiß ich nicht; Gott weiß es), dass er in das Paradies entrückt wurde und unaussprechliche Worte hörte, die ein Mensch nicht sagen darf, 2.Kor. 12:2-4.

 

Der Apostel Paulus nennt hier als Zeit "vor 14 Jahren." Ein genaueres Datum wird nicht mitgeteilt. Dieser zweite Brief an die Christen in Korinth wurde etwa zwischen 55 und 57 n.Chr. vom Apostel Paulus an die Christen geschrieben. Wenn man nun 14 Jahre zurückrechnet, kommt man etwa in das Jahr, als Paulus in Lystra gesteinigt wurde, Apg.  14:19,20. Vielleicht besteht hier ein Zusammenhang. Aber dies ist nur eine Annahme. Wie sollte nun die Entrückung von Paulus in den dritten Himmel verstanden werden? Eine Hilfe hierzu gibt Gottes Wort in der Offenbarung. Johannes bekommt die Aufforderung, in den Himmel zu kommen.

 

Und sogleich war er im Geist im Himmel und sieht den Thron Gottes, Offb. 4:1-2.

Johannes hat eine Vision und in seinem neuen Geist war er mit seinem ganzen Bewusstsein in diesem himmlischen Bereich. Das Bewusstsein von Johannes ist ganz in seinem Geist und vollkommen in der geistlichen Welt und abgesondert von seiner irdischen Umgebung. Seines äußeren Zustandes ist sich Johannes nicht mehr bewusst. Der Heilige Geist wirkt hier mit, aber nicht so, dass Christen denken sollen, dass Johannes im Heiligen Geist war, oder der Heilige Geist den Johannes in den Himmel brachte und der Körper blieb geist- und seelenlos zurück. Und so war dies auch geschehen bei Stephanus und bei Petrus, Apg. 7:56; 10:10-16. Daher ist anzunehmen, dass bei Paulus dies in ähnlicher Weise erfolgte.

Paulus nennt den dritten Himmel Paradies. Und dieses Wort Paradies ist das gleiche Wort, welches der Herr Jesus am Kreuz gegenüber dem einen Rebellen ausgesprochen hatte.

Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein!, Lk. 23:43.

 

Gottes Wort gibt somit dem Christen die Erkenntnis, dass sich das Paradies im dritten Himmel befindet. In der Apostelgeschichte, besonders in Kapitel 2, wird jedoch mitgeteilt, dass Jesus der Nazarener, der Christus, ins Totenreich gekommen war und der Vater ihn in der Kraft des Heiligen Geistes  auferweckte, Apg. 2:31,32, Röm. 1:8.

 

Ein Totenreich war den Israeliten bekannt, z.B. 1.Mo 37:35; 1.Sam 28:7-20. Bei den Rabbinern entwickelte sich jedoch im Laufe der Zeit eine Lehre, die besagte, dass Juden, weil sie zum auserwählten Volk Gottes gehören, im Totenreich auf der guten Seite aufwachen und dort auch Abraham sehen. Für die Heiden würde dies nicht zutreffen. Mit der Geschichte vom reichen Mann und dem armen Lazarus teilt Jesus Christus den Juden mit, dass dies nicht so ist, sondern sie erfahren, dass dieses Totenreich geteilt ist und ein Jude nicht automatisch in den Armen von Abraham aufwacht. Auch ein Jude kann in den Teil des Totenreichs kommen, wo Seele und Geist des Verstorbenen gepeinigt werden, Lk. 16:19-31. Da Jesus die rabbinische Lehre verwarf, erfolgte von der geistlichen Leiterschaft der Juden noch mehr Feindschaft gegen ihn. Der Teil vom Totenreich, wo bereits gepeinigt wird, gehört nicht zum Paradies, sondern zur Finsternis. Jedoch sind beide Teile sehr nahe, wie es die Geschichte von Lazarus und dem reichen Mann mitteilt. Diese Hinweise der Schrift sollte ein Christ mit Dank aufnehmen, jedoch sollte man keine "Paradieslehre" aufbauen. Ein Christ weiß um das Wort Gottes. Wenn ein wahrer Christ vom Herrn nach Hause geholt wird, wird dieser in der Ewigkeit in den Armen Jesus aufwachen. Und dies wird im dritten Himmel sein, der auch Paradies genannt wird.

 

Noch einige Hinweise zu den Engeln. Engel sind geschaffene Geistwesen. Die Bibel berichtet über diese Engel sehr viel. Sie gibt jedoch keinen konkreten Hinweis darauf, an welchem Tag der Schöpfungswoche Gott diese Geistwesen geschaffen hat. Aufgrund von Hiob 38:5-7 kann angenommen werden, dass dies eventuell am zweiten oder dritten Schöpfungstag geschah. Die Engel sind jedoch nicht gleich. Sie haben unterschiedliche Stellungen und unterschiedliche Aufgaben. Im Buch Hesekiel erfolgt eine Beschreibung über Engel, Hes. 1:5-28, 10:1,15-17,20,21. Es handelt sich dort um Cherubim mit vier Flügeln. Die Schrift beschreibt jedoch auch Cherubim mit zwei Flügeln, z.B. 1.Kö 6:23-25,27. Jedoch gibt es auch Engel mit sechs Flügeln. Diese Engel nennt die Schrift Seraphim, Jes. 6:2,3. Cherubim und Seraphim sind Engel Gottes. Sie sind Diener und Wächterengel mit unterschiedlichen Aufgaben. Hinzu kommt noch eine Gruppe von Engeln, die in der Stellung eines Fürsten sind. Daher werden sie Fürstenengel genannt. Und solche Fürstenengel stehen jeweils in Verbindung mit einem Land. Für Israel ist dies der Fürst Michael, Dan. 10:13-21. Aus dieser Gruppe ist Gabriel der Engel, der vor Gott steht. Ein Engel mit großer Vollmacht, Lk. 1:19,26. An der Spitze dieser Fürstenengel steht Michael. Dieser Fürstenengel ist der Einzige, der von der Schrift auch Erzengel genannt wird, Jud. 9, 1Th. 4:16.

 

Von diesen Engeln sind jedoch sehr viele vom lebendigen Gott abgefallen. In Kapitel 12 der Offenbarung wird mitgeteilt, wie der große, feuerrote Drache (Satan) mit seinem Schwanz den dritten Teil der Sterne des Himmels nach sich zog und diese auf die Erde warf, Verse 3 u. 4. Engel werden auch in der Schrift Sterne genannt. Von daher kann angenommen werden, dass ein Drittel der Engel sich auf die Seite von Satan gestellt hat. Und diese abgefallenen Engel nennt die Schrift Dämonen. An der Spitze dieser Dämonen steht ein Engelfürst, der mit dem Wort "Glanzstern" beschrieben wird. Dieses Wort Glanzstern hat die gleiche Bedeutung wie das Wort Luzifer. Luzifer ist kein Eigenname. Von der Schrift wird dieser abgefallene Fürstenengel Satan genannt. Griechisch Diabolos und auf Deutsch Teufel. Auch der Name Satan ist nicht der Eigenname von diesem abgefallenen Engel. Vielmehr wird mit diesem Wort zum Ausdruck gebracht, dass er ein Widersacher Gottes ist, er ist der unsichtbare Feind Gottes. In Israel nannte man ihn auch Beelzebub. Dies ist ein Titel für Satan und man könnte dies im Deutschen übersetzen "mit Herr der Fliegen." Ein Eigenname für Satan wird von der Bibel nicht mitgeteilt.

 

Der Sündenfall war geschehen und die Menschen fingen an, sich zu vermehren. Dies wurde von der unsichtbaren Welt beobachtet. Und nun geschah etwas Schreckliches vor den Augen Gottes. Gottessöhne, ein Ausdruck für Engelwesen, sahen, dass die Töchter der Menschen sehr schön waren. Und einige von diesen Engelwesen nahmen sich diese zu Frauen und diese gebaren ihnen Kinder, 1.Mo 6:1-4. Nun gibt es innerhalb der Christenheit eine Auffassung, die besagt, dass es sich bei den Gottessöhnen und den Töchtern der Menschen einmal um die Linie Kain und zum anderen um die Linie Seth gehandelt hat. Diese zwei Linien der Menschen hätten sich vermischt, was vor Gott ein Übel war. Hierzu sollte jedoch beachtet werden, dass Engel, wenn sie für Menschen sichtbar wurden, immer als Männer auftraten. Im Alten Testament wie auch im Neuen Testament gibt es hierzu Beispiele. Ebenso sind die Namen Gabriel und Michael nun einmal männliche Rufnamen. Und wenn hierzu der Brief des Judas, Verse 5 bis 7 und der 2. Brief des Apostel Petrus, Kapitel 2, Vers 4, beachtet wird , so kann man davon ausgehen,  dass die Gottessöhne in 1.Mose 6:1-4 Engelwesen waren.

 

Im Alten Testament wird immer wieder vom Engel des HERRN berichtet. Dieser Engel ist jedoch kein geschaffenes Geistwesen. Der Engel des HERRN bezeichnet im Alten Testament eine Erscheinung des Sohnes Gottes, des Herrn Jesus Christus, vor seiner Menschwerdung. Das lässt sich unter anderem daran erkennen, dass dieser besondere Gesandte direkt in der Ich-Form Aussprüche Gottes weitergibt, dass er unmittelbar mit dem HERRN gleichgesetzt wird und dass er, im Gegensatz zu allen geschaffenen Engeln, auch Opfer und Anbetung entgegennimmt.

 

Fast am Ende der Offenbarung fiel Johannes vor dem Engel, der mit ihm gesprochen und ihm vieles gezeigt hatte, nieder, um diesen anzubeten. Und nun spricht dieser Engel zu ihm:

Sieh dich vor, tue es nicht! Denn ich bin dein Mitknecht und der deiner Brüder, der Propheten, und derer, welche die Worte dieses Buches bewahren, Offb. 22:8,9.

Der Engel spricht eine strenge Aufforderung an Johannes aus. Es klingt fast wie eine Warnung. Johannes wird aufgefordert, es nicht zu tun. Mitknecht nennt sich der Engel. Die heiligen Engel und die Erretteten, die Gläubigen, dienen beide dem lebendigen Gott. Von daher sind die heiligen Engel Mitknechte der Gläubigen. Dämonen stehen auf der Seite von Satan. Sie gehören nicht dazu. Christen haben weder vor Menschen noch vor Engeln niederzufallen und diese anzubeten. Auch sollen nicht Verstorbene verehrt und angebetet werden. "Bete Gott an!" ist die klare Aufforderung der Schrift.

 

 

Helmut KRCAL, Bibelhauskreis Zotzenbach im Odw.