Da sprach Jesus wiederum zu ihnen: Friede sei mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt Heiligen Geist! Joh 20:21,22. 
Um die Frage zu beantworten, ob die Jünger hier bereits Heiligen Geist erhalten haben, ist es zunächst erforderlich, die Hinweise im Alten Testament über den Heiligen Geist zu beachten. Ein Christ weiß, dass der Heilige Geist von Ewigkeit her Gott ist, so wie dies beim Vater und beim Sohn ebenso der Fall ist. Und ohne den Heiligen Geist geschieht kein "Wirken" des lebendigen Gottes. Hierzu drei Beispiele, die von der Bibel mitgeteilt werden. 

 

Die Erde aber war wüst und leer, und es lag Finsternis auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über den Wassern, 1.Mo 1:2. Der Heilige Geist war mit seinem Wirken maßgeblich an der Schöpfung beteiligt. 

Maria aber sprach zu dem Engel: Wie kann das sein, da ich von keinem Mann weiß? Und der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden, Lk 1:34,35. Ohne den Heiligen Geist wäre Maria nicht auf diese Weise schwanger geworden und das Kind hätte man nicht Gottes Sohn nennen können.

Und erwiesen ist als Sohn Gottes in Kraft nach dem Geist der Heiligkeit durch die Auferstehung von den Toten, Jesus Christus, unserem Herrn, Röm 1:4. Der Heiligen Geistes wirkte ebenfalls bei der Auferstehung des Sohnes mit. 
 
Nach Gottes Wort war im Alten Bund der Heilige Geist hauptsächlich in Israel tätig. Jedoch teilt die Bibel an mancher Stelle mit, dass der Geist Gottes auch außerhalb des irdischen Gottesvolkes wirkte. Die Propheten wurden vom Heiligen Geist gesandt und gebraucht. Und manchmal haben diese nicht nur in Israel verkündigt, sondern brachten auch Botschaften zu den Heidenvölkern (Ägypten, Assyrien usw.).

 

Im ersten Buch Mose, Kapitel eins, Vers 2, wird zum ersten Mal der Heilige Geist genannt. Der Geist schwebte über den Wassern, 1.Mo 1:2. Dies ist ein Hinweis, dass der Heilige Geist an der Schöpfung beteiligt war. Später, im Vers 26, spricht der lebendige Gott in seiner Mehrzahl zu sich: Lasst uns Menschen machen. Hier dürfen wahre Gläubige an den lebendigen, dreieinigen Schöpfergott denken. Nach dem Sündenfall und vor der Sintflut bemüht sich der Heilige Geist um die in der Sünde lebenden Menschen, 1.Mo 6:3. Obwohl sie von Gott wussten und ihnen auch Gottes Botschaften verkündigt wurden, widerstehen sie dem Heiligen Geist und somit widerstehen sie Gott. Noah baute nicht nur die Arche, sondern er war ein gerechter und untadeliger Mann, der mit Gott wandelte. Und weil er mit Gott wandelte, verkündigte er während des Baus der Arche die Gerechtigkeit Gottes. Deshalb nennt ihn das Neue Testament "Verkündiger der Gerechtigkeit." Aber die Menschen zur Zeit Noahs glaubten seinen Verkündigungen nicht, 1.Mo 1:6:8,9; 1.Petr 3:18-20; 2. Petr 2:5. 

 

Nach der Sintflut kommt der Heilige Geist immer wieder über, auf und in Menschen und führt diese von Gott erwählten Personen. Des Weiteren spricht der Heilige Geist zu Menschen, z.B. Hes 3:24; 11:5; Lk 2:26, und er spricht durch Menschen, z.B. 4.Mo 11:25-29; 24:2-4; 1.Sam 10:6,10; Neh 9:30, Sach 7:12. Aber der Heilige Geist ist im Alten Testament jedoch nicht auf allen Menschen, die an den lebendigen Gott glauben. Der Heilige Geist ist vorwiegend in Israel, Hag 2:5, aber nicht jeder erlebt ihn persönlich. Der Heilige Geist war in und auf Propheten, aber dies nicht immer die ganze Zeit. Dann kam er auch auf Priester, Könige, Leviten und auf auserwählte Personen. Manchmal blieb er sehr lange in oder auf dem Menschen, dann wieder nur für eine kurze Zeit. Und bei manchen von ihnen kam er mehrmals auf diese. Es gab auch Situationen, wo der Geist Gottes unter besonderen Umständen erbeten werden musste. Und Gott, der Vater, gab dann nach seinem Willen den Heiligen Geist, Lk 11:13. Jedoch ist die Wirkung des Heiligen Geistes begrenzt. Es gibt im Alten Testament keine Stelle die von einer erlebten Wiedergeburt berichtet. Sie wird jedoch als Verheißung erwähnt. 

Und ich werde euch ein neues Herz geben, und einen neuen Geist gebe ich in euer Inneres, und ich werde das Herz von Stein aus eurem Fleisch auf die Seite tun, und ich werde euch ein Herz von Fleisch geben. Und meinen Geist gebe ich in euer Inneres. Ich werde dieses tun, damit ihr in meinen Satzungen wandelt und mein Rechte wahrt und sie tun werdet, Hes 36:26,27. 

Saul wurde ein anderer Mann als der Heilige Geist auf ihn kam, 1.Sam 10:6,9,10. Jedoch war Saul im neutestamentlichen Sinne noch nicht wiedergeboren. Aber wenn der Heilige Geist auf einen Menschen kam, in diesem Fall bei Saul, verändert sich bei einem solchen Menschen verständlicher Weise sein Verhalten. Jedoch sollte die Zeit kommen, wo bei jedem Gläubigen der Heilige Geist die Wiedergeburt bewirkt. Aber zuvor sollte der Messias kommen, damit dies möglich wird. Durch die Propheten erhielt Israel Kenntnis über diese zwei Verheißungen. 

 

Die erste Verheißung betraf das Kommen des Messias und die zweite Verheißung betraf die Ausgießung des Heiligen Geistes, also das Kommen des Heiligen Geistes. Der Messias musste jedoch zuerst kommen, sterben, auferstehen von den Toten und im Himmel verherrlicht werden. Dies waren Voraussetzungen, damit dann der Heilige Geist ausgegossen werden konnte. Schriftstellen sind hierzu Jes 48:12-16 und 1.Petr 1:11. 

 

In der Kraft des Heiligen Geistes wird Maria schwanger und er bewirkt die Geburt des Messias, Mt 1:18-20; Luk 1:32,35. Der Messias, Jesu, wird vom Vater und vom Heiligen Geist in diese Welt gesandt. In dieser Welt wird Jesus vom Heiligen Geist geführt, Mk 1:12; Lk 4:1 und in seiner Kraft widersteht der Sohn Gottes der großen Versuchungsprobe. Jesu spricht die Worte, die der Heilige Geist ihm gab, Joh 3:34 und er tut durch den Geist seine Wunder, z.B. Mt 12:28, Apg 10:38. Der Heilige Geist ist es, der das Denken und das Handeln Jesus prägte, Jes 11:1-5. Nachdem der Messias, der Sohn Gottes, am Kreuz sein kostbares Blut und sein Leben gegeben hatte, wird er in die Grabkammer gelegt und am dritten Tag vom Vater, in der Kraft des Heiligen Geistes, von den Toten erweckt. Der Heilige Geist hat somit Anteil an der Auferweckung Jesus, Röm 1:4 u. 4:22-25. Im Alten Testament kam der Heilige Geist immer wieder zu Menschen, und auf den Messias kam er in besonderer Weise. Der Schöpfergott gibt jedoch durch die Propheten den Hinweis, dass der Heilige Geist durch eine Ausgießung so kommen wird, dass es durch ihn für den gläubigen Menschen möglich ist, aus Wasser und Geist geboren zu sein. Und dieses Kommen des Heiligen Geistes wird sich vom bisherigen Kommen vollkommen unterscheiden. 

Im Alten Testament ist nicht nur das Kommen des Messias verheißen, sondern auch der Geist des Messias. Jesus selbst hat sehr oft vom Heiligen Geist gesprochen und auf dessen Kommen hingewiesen. Daher spricht die Bibel vom Heiligen Geist der Sohnschaft, Röm 8:15. Der gekreuzigte und auferstandene Sohn Gottes spricht zu den Jüngern: Johannes taufte mit Wasser, aber ihr werdet im Heiligen Geist getauft werden, Apg 1:5. 

 

Als Jesu auf dieser Erde wirkte wurden von ihm einmal die Jünger ausgesandt um dem Herrn voranzugehen. Hierbei gab der Herr Jesus ihnen Vollmacht, Dämonen auszutreiben und Kranke zu heilen. Der Heilige Geist war bei Jesus und die Jünger befanden sich somit in dessen Bereich. Jesu war voll des Geistes und somit waren die Jünger in der Gegenwart des Geistes. Wenn Jesus die Jünger in die Dörfer vorausschickte, in die er noch hinkommen wollte, gab er ihnen Vollmacht. Der Geist war somit bei den Jüngern und begleitete sie. Und die Jünger konnten Dämonen austreiben und Kranke heilen. Dies erinnert an die alttestamentlichen Propheten, denen ja auch die Begleitung des Geistes gegeben wurde. Die Jünger waren bei ihrem Wirken nicht ohne den Heiligen Geist. Aber dies war noch nicht das Wirken des Heiligen Geistes der Sohnschaft. Erst musste das Opfer am Kreuz geschehen. Denn der Kreuzestod des Herrn Jesus ist die Möglichkeit der Rettung. Dann kann die Wiedergeburt geschehen. 

Gottes Wort teilt im Johannesevangelium mit: 

Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, welche an ihn glauben; denn der Heilige Geist war noch nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht war, Joh 7:39. 

Nachdem der gekreuzigte und auferstandene Herr Jesus vor den Augen der Apostel in den Himmel, in dessen Bereich sich der Wohn- und Thronsitz Gottes befindet, Ps 2:4, emporgehoben worden war, wurde er verherrlicht und setzte sich zur Rechten der Majestät. Übrigens nennt der Apostel Paulus diesen Bereich des Himmels dritter Himmel, bzw. auch Paradies, 2.Kor 12:2-4. Die  Verherrlichung Jesus war nun erfolgt und somit konnte der Heilige Geist kommen. Jetzt gesandt vom Vater und vom Sohn, Joh  14:26; 16:7. Der Geist der Sohnschaft, Röm 8:15. 

 

Die Wiedergeburt kann also erst geschehen, wenn der Geist da ist. Die Verheißung konnte sich erst Erfüllen, nachdem Jesu in den Himmel aufgefahren war. Daher sprach der Herr vor seiner Himmelfahrt zu den Jüngern: Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist, Apg 1:8. Diese Stelle der Schrift teilt klar und deutlich mit, dass die Apostel noch nicht den Heiligen Geist der  Sohnschaft hatten. Aber zehn Tage später konnte Simon Petrus verkündigen: der Heilige Geist ist gekommen, er ist ausgegossen, Apg 2:14-36. 

Nun ergibt sich die Frage, wie Joh 20:21-22 einzuordnen ist. Haben nun die zehn Jünger den Heiligen Geist empfangen, als sie der Herr Jesus anhauchte? Wenn dies nun der Fall wäre, so würde sich die Schrift widersprechen. Denn nach Apg 1:8 hatten sie den Heiligen Geist noch nicht. Der Geist für das Heil kam erst am Pfingsten. Also konnten die zehn Jünger noch nicht den Heiligen Geist der Sohnschaft bekommen haben und waren somit noch nicht wiedergeboren. 

Die Schrift teilt mit: 


Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Empfangt Heiligen Geist.

 

Der Text teilt nicht mit, dass die zehn Jünger sofort den Heiligen Geist erhalten haben. In Verbindung mit Apg 1:8 ist das Anhauchen des Herrn und sein Sprechen eine Ankündigung auf den Heiligen Geist und dass sie diesen empfangen. Apg 1:4,5,8 teilt ganz deutlich mit, dass der Heilige Geist noch nicht gekommen war. Bei Joh 20:21-22 sollte auch beachtet werden, dass bei diesem Ereignis mit den Jüngern der Apostel Thomas fehlte. Somit war dieser erwählte jüdische Mann vom Herrn nicht angehaucht worden. Als der auferstandene Herr, Jesus aus Nazareth, acht Tage später wieder zu den Jüngern kam, war der Apostel Thomas ebenfalls anwesend. Und genau dieser Thomas, der nicht vom Herrn den Hauch erfahren hatte, sprach zu ihm: 

Mein Herr und mein Gott.

Keiner der anderen Jünger, die der Herr Jesus angehaucht hatte, machte eine solche Aussage. Es gibt Christenkreise, die Joh 20:21-22 als die erste Geisterfahrung bezeichnen und die Ausgießung des Heiligen Geistes in Jerusalem als die zweite Geisterfahrung benennen, in der sie nach Apg 1:8 ausgerüstet werden. Diese Lehre bringt zum Ausdruck, dass zunächst der Mensch, der sich bekehrt hat, den Heiligen Geist empfängt und zu einem späteren Zeitpunkt die geistlichen Gaben erhält. Gottes Wort, die Bibel, trennt dies jedoch nicht. Der Heilige Geist, so wie er verheißen wurde, Apg 1:4,5,8, kam erst am Pfingsttag, Apg 2: 1 bis 4, und steht nicht im Widerspruch zu Joh 20:21-22 . 

Joh 20:21-22 ist eine prophetische Ankündigung des Heiligen Geistes und den sollten die Jünger bekommen. Und diesen Heiligen Geist bekamen sie, als der Tag der Pfingsten sich in Jerusalem erfüllte. 

 

Helmut KRCAL, Bibelhauskreis Zotzenbach im Odw.