Der alte Mann und die Demut (Epheser 4, 1-3)

 

 

Rolf Müller. 

 

Christen sollen einander in aller Demut, Sanftmut und Langmut  in Liebe ertragen. Wie kann das geschehen? Indem wir eifrig bemüht sind, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens. Das ist das Rezept, das der Apostel Paulus den Ephesern dringend ans Herz legt. Als erste Voraussetzung nennt er Demut.

Der alte Mann weiß, dass Demut eine wichtige Rolle für gute Beziehungen innerhalb der Gemeinde spielt. Demut muss man lernen. Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade. Unser Herr Jesus Christus ist sanftmütig und von Herzen demütig. Von ihm sollen wir lernen. An vielen Stellen der Bibel wird uns Demut ans Herz gelegt.

Der alte Mann hat herausgefunden, dass das Gegenteil von Demut Stolz ist. Stolz verhindert gesunde Beziehungen. Stolz bringt Zank hervor. Wer demütig ist, erkennt seine Sünde. Wer stolz ist, zeigt keine Bereitschaft, Fehler zuzugeben. Stolz macht blind für die eigene Sünde. Stolz verhindert, dass wir Buße tun. Der Stolze wälzt Schuld auf andere ab. Er reagiert mit Zorn auf berechtigte Kritik. Der Stolze zeigt keine Bereitschaft, dem anderen zu vergeben. Der andere soll angekrochen kommen und um Vergebung winseln. Der Demütige erkennt seine Schuld und ist vergebungsbereit.

Stolze Menschen sind undankbar. Der alte Mann hat erlebt, welchen Schaden Stolz in einer christlichen Gemeinde anrichten kann. Stolz kann manchmal Konfliktlösungen verhindern und zur Lüge verführen. Stolz will sich über die von Gott verordnete Stellung erheben. Dummheit und Stolz wachsen auf demselben Holz.

Demut ist zufrieden mit der von Gott zugewiesenen Stellung und Bedeutung. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir alle mit Stolz zu kämpfen haben. Jeder von uns reagiert auf irgendeinem Gebiet wie eine Mimose. Wir müssen lernen, schlechte Gewohnheiten durch gute zu ersetzen.

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Das erfordert Übung und Weisheit von oben.

Der alte Mann stellt sich vor, wie es wäre, wenn wir alles, was die Bibel sagt, beherzigen würden. Dann gäbe es keine Konflikte, keine Missverständnisse und keinen Streit mehr. Warum sieht die Wirklichkeit oft so ganz anders aus?

Eine Ursache könnte sein, dass wir die Aussagen der Bibel über das Zusammenleben der Gläubigen gar nicht kennen. Was man nicht weiß, kann man auch nicht in die Tat umsetzen. Was kann man da tun? Der alte Mann empfiehlt, systematisch die Bibel zu lesen und zu studieren.

Es kann allerdings auch sein, dass man die Aussagen der Bibel kennt, aber nicht ernst nimmt. Dieser Fall ist schon schwieriger. Es wird ja heute oft keine absolute Wahrheit mehr anerkannt. Jeder vertritt seine eigene „Wahrheit“. Der biblische Kompass ist vielen Christen abhandengekommen. Deshalb treiben viele orientierungslos auf dem Meer der Zeit. Diese Entwicklung geschieht meist schleichend in kleinen Schritten. Die wenigsten finden etwas dabei, sie halten es für normal.  

 

Der alte Mann lässt sich durch die heute übliche Vermischung nicht vereinnahmen. Er lässt sich von den Verfechtern des Zeitgeistes nicht verrückt machen. Er geht ihnen nicht auf den Leim. Er vertraut seinem Herrn und auf sein ewiges Wort. 

 

Mein Herz hängt treu und feste

an dem, was dein Wort lehrt.

Herr, tu bei mir das Beste,

sonst ich zuschanden werd.

Wenn du mich leitest, treuer Gott,

so kann ich richtig laufen

den Weg deiner Gebot.

 

Dein Wort, Herr, nicht vergehet, 

es bleibet ewiglich,    

soweit der Himmel gehet, 

der stets beweget sich;

dein Wahrheit bleibt zu aller Zeit

gleichwie der Grund der Erden  

durch deine Hand bereit.

 

(Cornelius Becker).