Otto Stockmayer

Wie wird man nüchtern?

 

Seid nüchtern und setzet eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch angeboten wird durch die Offenbarung Jesu Christi! - 1.Petrus 1,13

 

Wie wird man nüchtern? Wenn man sich der Gnade Gottes anvertraut und dem Herrn zutraut, dass er es fertigbringen wird, das zerstörte und verwüstete Ebenbild Gottes wiederherzustellen von dem namenlosen Ruin, den der Sündenfall angerichtet hat.

 

Der Petrusbrief ist ein Brief der Hoffnung, in dem der Apostel aber immer wieder auf den Glauben zurückkommt, und das ist höchst nötig; denn wie kann man auf die zukünftige Herrlichkeit hoffen, ohne zu glauben? Du magst noch so sehr vom Feind gebunden sein - und zwar durch eigene Schuld - du magst noch so viel Trauriges von den Vätern ererbt haben, dein Charakter mag noch so schwierig sein - wenn du deinem Gott vertraust und dich auf seine Gnade stützt, so wirst du nicht zuschanden.

 

Auf Gnade kann man trauen,

man traut ihr ohne Reu.

 

Es ist nichts von Verwüstung in unser Leibes- und Seelenleben hineingekommen, das Gott nicht gutzumachen vermöchte, das er sich nicht anheischig machte, in göttliche Linien zurückzubringen. Es muss Gott auch schliesslich in Bezug auf dein Leben noch sagen können, wie er nach vollendetem Schöpfungstag sagte: "Siehe, es war sehr gut."

 

Aus den tiefsten Tiefen des Sündenfalls hebt Gott verlorene Sünder in die höchste Herrlichkeit. Er gönnt sich keine Ruhe, bis die Strahlen seiner Herrlichkeit aus uns hervorleuchten, nachdem wir so lange das Zerrbild unserer eigenen Natur ausgestrahlt haben.

 

Hoffe und vertraue unbedingt der Gnade, die gerade da die höchsten Siege feiert, wo keine Hilfe mehr möglich scheint! Vertraue dem Herrn, dass er auch mit den Versuchungen fertig werden wird, die bisher immer wieder gekommen sind und dich immer wieder zu Fall gebracht haben - Charakterschwierigkeiten, von deren Vorhandensein bei dir vielleicht niemand eine Ahnung hat.

 

Vertraue deinem Heiland, der auch aus dir noch einen Heiligen machen kann, der nur für Gott da ist, anstatt immer an sich selbst herumzumachen! Sag ihm: "Ich vertraue deiner Gnade und komme als ein mit eigener und von den Vätern ererbter Verschuldung schwer beladener Bettler zu dir!"

 

Alles bringt die Gnade wieder zurecht bei denen, die den Mut haben, ihr zu vertrauen.

 

aus "Die Gnade ist erschienen" von Otto Stockmayer, 07. August 2023