Alfred Christlieb aus "Deine Zeugnisse - mein ewiges Erbe"

Ungeduld

 

Das Volk sprach zu Aaron: Auf und mache uns Götter, die vor uns hergehen... Und Aaron machte ein gegossenes Kalb.- 2. Mose 32,1 + 4

 

Kapitel 32 erzählt uns die Geschichte vom goldenen Kalb. Es ist das eine böse Geschichte von allerlei Sünden. Die erste, die Ursünde dabei, war die Ungeduld. Das Volk ist der Meinung, Mose werde höchstens zwei bis drei Tage auf dem Sinai verweilen. Dann komme er mit göttlichen Aufträgen zurück und werde das Volk unverzüglich aus der öden Wüste nach Kanaan führen, in das Land, wo Milch und Honig fließt. Tagelang suchen ihre Augen vergeblich die Bergabhänge des Sinai ab. Kein Mose erscheint.

 

Die erste Woche vergeht und die zweite. Zuletzt ist mehr als ein Monat vergangen. Da meinen sie, es nicht länger aushalten zu können. Der Mose wird wohl abgestürzt oder verhungert sein. Er kommt niemals wieder. So laufen sie zu Aaron und sagen: Mach uns Götter, die vor uns hergehen. Wir wissen nicht, was diesem Manne Mose widerfahren ist.

 

Ungeduld ist die Wurzel, aus welcher der Götzendienst des goldenen Kalbes hervorgewachsen ist. Ja Ungeduld! Wir denken so leicht, Ungeduld ist doch keine so schlimme Sache, lange nicht so schlimm wie Diebstahl oder Unzucht. Ach doch!

 

Denken wir nur an Saul, der einen herrlichen Anfang gehabt hat. Er brachte nicht die Geduld auf, Samuels Erscheinen zum Opfer abzuwarten. Er opferte selbst und - wurde als König verworfen. Er sank tiefer und tiefer und endete im Selbstmord.

 

O Gott, mach uns frei von der Ungeduld!

Andacht zum 12. März

 

"Herr, bitte gib mir Deine Geduld!"

 

Auf, mache uns Götter! 2. Mose 32,1

 

Noch einmal sei's gesagt! Wie schrecklich wirkt sich hier die Ungeduld aus! Diese Geschichte entlarvt ihre ganze Schädlichkeit. Wir wollen nie denken: Ich bin zwar ein bisschen ungeduldig, aber im Grunde habe ich doch ein gutes Herz. Ach nein!

 

Ungeduld macht Gottes Werk in uns zunichte. Sie lockt weg aus Gottes Erziehungsschulen. Wir wollen sie nicht entschuldigen mit schwachen Nerven oder heftigen Schmerzen. Wir wollen damit zum Kreuze des Herrn Jesu gehen und beten: "O Lamm Gottes unschuldig, allzeit erfunden geduldig, rette mich von aller Ungeduld, auch bei kleinen Nöten des häuslichen Lebens. Gib mir deine Geduld! Wachse du in uns!"

 

Wer nicht so betet, bei dem wachsen aus der Ungeduld schlimme Sünden hervor. Bei Israel war es heidnischer Götzendienst. Wie  war das möglich? In Ägypten hatte Israel oft zugesehen, wenn die Leute um ihre goldenen Kälber herumtanzten. Anfangs mögen sie gedacht haben: Wie lächerlich! Welch dumme Götzen! Wir glauben an den lebendigen Gott, den Schöpfer Himmels und der Erden. Aber bei längerem Zusehen haben sie doch wohl in ihrem Herzen ein gewisses Wohlgefallen an dem Singetanz gefunden. Und jetzt, jetzt kommt es ans Licht!

 

Ihr lieben Eltern: denkt ja nie, ihr könntet eure Kinder unbedenklich in weltliche Häuser zu weltlichen Vergnügungen, zu weltlichen Lustbarkeiten gehen lassen; sie würden dabei keinen Schaden nehmen. Ach! Ganz heimlich kann sich dabei doch ein Wohlgefallen an weltlichen Abgöttereien in ihren Herzen festsetzen. Eines Tages bricht es dann auf in einer Weise, dass euch das Entsetzen schüttelt!

 

Lasst euch gesagt sein durch die Geschichte vom goldenen Kalb: Es bleibt etwas hängen, wenn man jahrelang zuschaut dem Treiben der Welt und wenn man gar mittut! Wir schützen uns und unsere Kinder am besten durch treuen Umgang mit dem Worte Gottes und treuen Gebetsumgang  mit dem Herrn.

 

Andacht zum 13. März