Der alte Mann und die Wunder

 

Rolf Müller

 

In den Evangelien werden viele Wunder berichtet, die der Herr Jesus getan hat. Die Juden wussten, dieser Jesus muss der verheißene Messias sein. Die Elite der damaligen jüdischen Theologen war aufgeschreckt. Die Heilungen konnten sie nicht einfach ignorieren. Obwohl sie die messianischen Wunder miterlebten, beschlossen sie in ihren Herzen: Dieser Jesus muss weg. Er ist nicht der Messias.

 

Wir sehen in Johannes 9, dass sie nicht an Jesus glauben wollten. "Dieser treibt die bösen Geister aus durch den Obersten der Dämonen." Sie erklären die Wunder Jesu wider besseres Wissen für teuflisch. Sie glauben nicht an ihn.

 

An Jesus Christus scheiden sich die Geister. Wer Jesus Christus verwirft, bleibt unter dem Zorn Gottes. Das ist die Sünde, die nicht vergeben werden kann. Warum? Weil es der Herr Jesus selber gesagt hat: Das ist die Sünde, dass sie nicht glauben an mich. Wer nicht glaubt, dem kann Gott keine Sünde vergeben. Wer im Unglauben verharrt, geht verloren.

 

Das Volk Israel verwirft seinen Messias. Sie haben Augen, aber sie sehen nicht. Sie haben Ohren, aber sie hören nicht.

 

Wir erleben heute keine regelmäßigen Wunder wie zurzeit Jesu. Es gibt auch keine Apostel mehr, die göttliche Vollmacht besitzen. Sind wir deshalb arm dran? Auf keinen Fall! Im Gegenteil, wir sind reich! Wir haben die Bibel, das Wort des lebendigen Gottes. Wir haben  den Heiligen Geist. Was brauchen  wir mehr?

 

Es ist doch bezeichnend, wenn Johannes in seinem Evangelium schreibt: "Viele glaubten wegen der Zeichen und Wunder an Jesus. Aber Jesus vertraute sich ihnen nicht an." Zu Thomas sagt der Herr Jesus später: "Selig sind, die nicht sehen und doch glauben." 

 

Wir haben das Wort Gottes, das genügt. Gott hat uns durch sein Wort das Herz aufgetan und Glauben geschenkt. Das ist das größte Wunder, das wir erleben  können. Rettender Glaube gründet sich auf Gottes Wort. Er bindet sich an das Wort. "Es steht geschrieben." 

 

Ein Sünder, der Buße tut, ist das größte Wunder. Zurzeit Jesu bekräftigten die Zeichen Gottes Wort, damit dem Wort Glauben geschenkt wurde. Gott hat sein Wort durch mitfolgende Zeichen bestätigt. Heute hat das Wort die Zeichen abgelöst. Je mehr wir das Wort Gottes verstehen, desto weniger brauchen wir die Bezüge des Schauens.

 

Viele sind durch das L e s e n des Johannesevangeliums zum Glauben gekommen. Geistliche Christen leben aus dem Wort, fleischliche vom Erlebnis. Der Herr Jesus sagt: "Wer Ohren hat, der höre!" Er sagt nicht: "Wer Augen hat, der sehe!" Nicht das Sichtbare, das Unsichtbare ist ewig.

 

Ein Sünder, der an Jesus glaubt, wird freigesprochen. Wer stolz bleibt und sein Sündersein beschönigt, läuft in eine Sackgasse. Er wird in der Verdammnis, in der Gottesferne enden. Das ist die Wahrheit. Sie tritt uns in der Person Jesu entgegen. Wer dieser Wahrheit begegnet, muss sich entscheiden. Da gibt es kein sowohl als auch.

 

"Herr, dein Wort ist unvergleichlich,

Menschenworte taugen nichts.

Seine Kraft wirkt immer reichlich,

wie Gott redet, so geschiehts.

 

Bricht der Himmel, dieses stehet,

tobt die Hölle, dieses bleibt;

wenn dereinst dies Rund vergehet,

fällt kein Jota, das er schreibt.

 

 

(Philipp Friedrich Hiller)